
Wie Angehörige und Betroffene Stürze vermeiden können – verständlich & wissenschaftlich fundiert
Ein Sturz kann das Leben plötzlich verändern: Ein Knochenbruch, ein Krankenhausaufenthalt oder die Angst, sich überhaupt noch zu bewegen. Viele glauben, Stürze seien „normal im Alter“. Das stimmt so nicht. Die Wissenschaft zeigt klar: Viele Stürze lassen sich verhindern, wenn man die richtigen Dinge beachtet.
Dieser Artikel erklärt verständlich, was wirklich hilft – und was Angehörige konkret im Alltag tun können.
Warum Stürze so gefährlich sind
- Jeder dritte Mensch über 65 stürzt mindestens einmal pro Jahr
- Nach einem Sturz bewegen sich viele Menschen weniger → Muskeln werden schwächer
- Besonders gefährlich: Hüft- und Wirbelsäulenbrüche
- Oft verlieren Betroffene danach Selbstständigkeit
👉 Ziel ist nicht, „nie wieder zu stürzen“, sondern das Risiko deutlich zu senken.
Wer hat ein erhöhtes Sturzrisiko?
Achte besonders auf diese Punkte (trifft oft mehrere gleichzeitig):
- Bereits ein Sturz im letzten Jahr
- Unsicheres Gehen oder Festhalten an Möbeln
- Schwindel oder Benommenheit
- Viele Medikamente oder neue Medikamente
- Sehprobleme (z. B. falsche Brille)
- Schwache Beinmuskulatur
- Angst vor dem Fallen
👉 Wenn du hier etwas wiedererkennst: Das ist kein Versagen – sondern ein Signal, aktiv zu werden.
Das Wichtigste zuerst: Bewegung schützt
Das ist der wichtigste Punkt aus der aktuellen Forschung:
Gezielte Bewegung reduziert Stürze messbar.
Nicht Sport im klassischen Sinn – sondern einfache Übungen, die Kraft und Gleichgewicht trainieren.
Gute Nachricht:
- Schon wenige Minuten, mehrmals pro Woche, helfen
- Keine Geräte nötig
- Auch im hohen Alter sinnvoll
5 einfache Übungen für zu Hause
👉 Immer in der Nähe eines stabilen Möbelstücks (Küchenzeile, Tisch, Geländer).
- Vom Stuhl aufstehen & hinsetzen
– 5–10 Mal
– Kräftigt Beine und hilft beim sicheren Aufstehen - Beine abwechselnd anheben (im Stehen)
– Kurz festhalten
– Fördert Gleichgewicht - Einbeinstand
– 5–10 Sekunden pro Seite
– Auch mit leichtem Festhalten ok - Fersen anheben
– 10–15 Mal
– Wichtig für sicheres Gehen - Seitwärts gehen
– An der Küchenzeile entlang
– Stärkt Hüft- und Beinmuskeln
👉 Regelmäßigkeit ist wichtiger als Perfektion.
Medikamente: ein häufiger, unterschätzter Grund
Viele Stürze passieren wegen Nebenwirkungen:
- Müdigkeit
- Schwindel
- Blutdruckabfall beim Aufstehen
Besonders riskant:
- Schlafmittel
- Beruhigungsmittel
- starke Schmerzmittel
- viele Medikamente gleichzeitig
👉 Wichtig für Angehörige:
Wenn ein Sturz passiert ist oder neue Unsicherheit besteht → Medikamente beim Hausarzt gezielt ansprechen.
Wohnung sicher machen – kleine Änderungen, große Wirkung
Ein kurzer Rundgang hilft:
- Lose Teppiche entfernen oder fixieren
- Gute Beleuchtung (besonders nachts!)
- Rutschmatten im Bad
- Haltegriffe im Bad oder an Treppen
- Feste, geschlossene Schuhe tragen
- Keine Kabel oder Stolperfallen im Laufweg
👉 Das kostet wenig, verhindert aber viele Stürze.
Angst vor dem Fallen – ernst nehmen
Nach einem Sturz entsteht oft Angst.
Das Problem: Angst führt zu weniger Bewegung → mehr Unsicherheit → höheres Sturzrisiko.
Was hilft:
- Begleitete Bewegung (z. B. mit Pflegedienst)
- Kleine, sichere Übungen
- Positive Bestärkung statt Druck
Was Angehörige konkret tun können
- Veränderungen im Gang oder Verhalten beobachten
- Mut zur Bewegung machen
- Stürze dokumentieren (Wann? Wo? Warum?)
- Ärztliche Abklärung anstoßen, wenn:
- Stürze häufiger werden
- starke Schwindelattacken auftreten
- plötzliche Verwirrtheit entsteht
Fazit
Stürze sind kein Schicksal.
Die Kombination aus:
- einfacher Bewegung
- sicherer Wohnung
- aufmerksamer Beobachtung
kann das Risiko deutlich senken – und Selbstständigkeit erhalten.